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Tätigkeitsbericht Netzwerk von und für Frauen und Mädchen mit
Behinderung in Bayern; Zeitraum 01.01.06 – 31.12.06
Ebenso wie im Jahre 2005 hat sich die Zahl der Frauen
und Mädchen, die sich über das Netzwerk organisieren möchten noch mal
deutlich erhöht, inzwischen sind es über 175 organisierte Frauen. Dadurch
stieg nochmals der Verwaltungsaufwand für das Netzwerkbüro und die LAGH
Bayern.
Im März 2006 hat das
Netzwerk ein erfolgreiches Plenum zum Thema Wellness für behinderte Frauen
sowie die Sprecherinnenwahl durchgeführt. Das Wellness Wochenende wurde von
der Firma Clarins und von Dr. Bauhofer, der Ayurvedaspezialist Deutschlands,
bestritten. Beide wurden uns von Nina Ruge, unserer Schirmherrin, vermittelt
und leisteten ihren Beitrag im Rahmen des Sponsoring umsonst.
Auch im Jahr 2006 hatte das
Netzwerkbüro ständig verschiedene Praktikantinnen, die entweder im Rahmen
eines berufsvorbereitenden Praktikums oder im Rahmen ihres Studiums das
Praktikum im Netzwerk absolvierten. Anleiterin war die Netzwerkbüroleiterin
Ute Strittmatter.
Am 16. Mai 2006 hat das
Netzwerk in Kooperation mit der Beratungsstelle für natürliche Geburt, dem
Weibernetz, dem Bundesverband für chronisch kranke und behinderte Eltern,
dem Klinikum Harlaching sowie Nina Ruge eine Veranstaltung zu dem Thema
Pränataldiagnostik durchgeführt. Die Veranstaltung wurde in den ersten fünf
Monaten des Jahres 2006 intensiv vorbereitet und geplant. Ziel der
Veranstaltung war, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und ein kritisches
Augenmerk darauf zu lenken, dass Pränataldiagnostik in den meisten Fällen
auf Selektion behinderten Lebens hinausläuft. Mit der Veranstaltung sollte
aber gezeigt werden, dass behindertes Leben ebenso wertvoll wie nicht
behindertes Leben ist. Es hat sich herausgestellt, dass dieses Thema auf
großes Interesse gestoßen ist und weiter Bedarf besteht, daran zu arbeiten.
Deshalb wird für die Zukunft nochmals ein Workshop geplant.
Da die Netzwerkveranstaltung
„Partnerschaft, Sexualität und Kinderwunsch behinderter Frauen“ im Rahmen
des EU-Jahres für Menschen mit Behinderung 2003 in Nürnberg so erfolgreich
war, konzipierte das Netzwerk eine Dokumentation über diese Veranstaltung,
die im Jahre 2005 weiterentwickelt wurde und zu Beginn des Jahres 2006
gedruckt und verteilt wurde. Die Spende der Firma Clarins ermöglicht die
Erstellung und den Druck dieser Dokumentation.
Das Netzwerk erhielt 2004
einen Sitz bzw. eine Stimme in dem neu gegründeten Landesbehindertenrat.
Beginn 2006 fand die erste Sitzung im bayerischen Staatsministerium für
Arbeit und Sozialordnung statt. Ebenfalls erhielt das Netzwerk 2004 einen
Sitz in der neu gegründeten Patientenvertretung in Bayern. Hier war das
Netzwerk 2006 ebenfalls aktiv tätig.
Um die Gesellschaft für die Belange und Probleme von Frauen und Mädchen mit
Behinderung zu sensibilisieren, hat das Netzwerk im Rahmen des
Aktionsbündnisses die Veranstaltung am 5.Mai 2006 (Europaweiter Protesttag
für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung) am Marienplatz intensiv
mit vorbereitet und auch an dieser Veranstaltung mit einem eigenen Infostand
teilgenommen.
Um auch junge Frauen und Mädchen für das Netzwerk zu interessieren hat das
Netzwerk in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband für Körper- und
Mehrfachbehinderte die für das Jahr 2006 geplante Mädchenkonferenz mit
konzeptioniert und geplant. Die Mädchenkonferenz wird Ende Oktober in
München stattfinden. Im Rahmen der Mädchenkonferenz wird es einen Markt der
Möglichkeiten geben, an dem das Netzwerk mit einem eigenen Infostand
vertreten ist. Auch sind einige der Netzwerkfrauen als Workshop Leiterinnen
in diese Konferenz involviert.
In Kooperation mit pro
familia München, der gynäkologischen Leitung des Krankenhauses Neuperlach
München und dem CBF München und dem deutschen Ärztinnenbund Gruppe Bayern
Süd strebt das Netzwerk an, eine gynäkologisch-medizinische Ambulanz für
Frauen mit Behinderung in Bayern nach dem Vorbild der Frankfurter Ambulanz
für behinderte Frauen aufzubauen. Eine weitere Zielsetzung dieser Ambulanz
ist die Fortbildung von GynäkologInnen aus ganz Bayern, um diese für die
Belange behinderter Frauen und Mädchen zu sensibilisieren. Zu diesem Zweck
fanden intensive Treffen statt. Problematisch ist die Umsetzung und die
Finanzierung dieses Projektes. Von daher entschieden sich alle an dem Thema
beteiligten zunächst eine öffentliche Veranstaltung durchzuführen, um das
Thema Frauen und Behinderung und Gynäkologie an die Öffentlichkeit zu
bringen. Diese Veranstaltung wurde unter anderem vom Netzwerk intensiv
geplant, organisiert und durchgeführt. Die Veranstaltung fand am 05. Oktober
2004 in den Räumen der Hypo-Vereinsbank München statt. Eröffnet wurde die
Veranstaltung von Frau Dr. Burkert, Bürgermeisterin der LH München.
Referentinnen waren Ute Strittmatter vom Netzwerkbüro sowie Charlotte
Bothmann des Krankenhauses München Neuperlach. Auf dem Podium nahmen teil:
- Staatsministerin
Christa Stewens
- Dipl.-Psychologin
Renate Geifrig
- Dr. Ingrid Leitner,
CBF München und Redakteurin BR
- Dr. Christine
Schneider, Beratungszentrum Berlin
- Dr.Birgit Delisle,
niedergelassene Gynäkologin
- Dr. G. Debus, Leiterin
der Gynäkologie KH Neuperlach
- Ute Strittmatter,
Netzwerk
- Moderation: Nina Ruge
Die Veranstaltung war sehr
erfolgreich. Es waren ca. 120 interessierte Teilnehmer. Frau Stewens zeigte
Wege auf, wie das Netzwerk vorgehen kann, um die Probleme zu lösen und
ferner versprach sie, das Netzwerk - also die Betroffenen – mit den
Leistungsträgern an einen Tisch zu bringen um Lösungen zu erarbeiten.
Folge dieser Veranstaltung
war ein runder Tisch zu Beginn des Jahres 2005 im bayerischen
Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, initiiert von
Staatsministerin Christa Stewens. Teilnehmer waren unter Anderem Vertreter
der Krankenkassen sowie der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern, Vertreter
des Krankenhauses Neuperlach und des Netzwerkes. Ergebnis dieses runden
Tisches war die Ermächtigung für das Krankenhaus Neuperlach, eine
gynäkologische Ambulanz für behinderte Frauen einzurichten.
Geklärt werden muss noch, wie die
Anschubfinanzierung beschafft werden kann und in welcher Form dies verwaltet
und strukturiert werden soll. Deshalb hat das Netzwerk im Jahr 2006 bei der
Landesstiftung einen Antrag auf Kostenübernahme der Anschubfinanzierung
gestellt.
Auch im Jahr 2005 bestand
großes Interesse von Seiten der Medien an der Arbeit des Netzwerkes. So
wurde von der Redaktion Gesundheit im Rahmen der Sendung „Stolperstein“ des
Bayerischen Rundfunks ein halbstündiges Portrait über unsere Arbeit gedreht,
welches am 6. 1. 2006 ausgestrahlt wurde. Die Dreharbeiten begannen im Mai
2005 und waren Ende Oktober 2005 abgeschlossen.
Ein weiterer Film zum Thema
„Berufliche Eingliederung Behinderter“ wurde vom ABM-Kanal am Beispiel der
Leiterin des Netzwerkbüros Ute Strittmatter gedreht. Gedreht wurde im Juli
2005, ausgestrahlt wurde der Film im ersten Halbjahr 2006.
Auch macht das
Netzwerk beim Platon-Projekt (Personal Learning and Training Organisation
Network) – eine neue Schulungsreihe – des „VBA-Selbstbestimmt Leben München“
mit. Hier können sich mobilitätsbehinderte Menschen zur/zum „Persönlichen
Assistenz BeraterIn“ ausbilden lassen.
Schwerpunkte der Texte
und Übungen der Schulung sind unter anderem:
- Informationsbeschaffung und -bewertung im Internet
- Geschichte von Behinderung/Independent Living Bewegung
- das Prinzip der gegenseitigen Unterstützung (Peer Support)
- persönliche Assistenzmodelle
- Diskussionen im Forum
- uvm.
Dieses Projekt besteht aus 7
Modulen, das heißt 7 CD-Roms. Auch das Netzwerk bietet ein eigenes Modul an
(Modul 7). Die einzelnen CD-ROMs enthalten Texte, Grafiken, Videos, Übungen
etc. – alles, was man benötigt, um sich zum/zur „Persönlichen Assistenz
BeraterIn“ weiterzubilden. Das Modul 7 startet am 25. September und dauert
einen Monat.
Ferner hat das Netzwerk zur Aufgabenerfüllung intensiv an folgenden
Arbeitskreisen
mitgewirkt und teilgenommen:
·
AK „Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen mit unterschiedlichen
Behinderungen“, angeboten von der Kontakt- und Informationsstelle für
Mädchenarbeit/IMMA; inzwischen übernommen von der OBA München (Löhehaus)
Im Jahr 2002/2004 wurden folgende Arbeitsgruppen gegründet, die sich auch im
Jahre 2005 regelmäßig getroffen haben und treffen:
·
AK „Von Müttern mit Behinderung für Mütter mit Behinderung“
·
AK „Barrierefreie Frauenarztpraxen“
·
AK „Plenumvorbereitung“
·
AK „Bayerisches Gleichstellungsgesetz“
·
AK „Erfahrungen mit Bürokratie“ (gegr. 2004)
Im Jahr 2006 hat sich ein
neuer Arbeitskreis gebildet, mit dem Ziel, ein eigenes
Assistenzleistungsgesetz für behinderte Menschen zu initiieren. Der
Arbeitskreis arbeitet sehr intensiv und möchte für das Jahr 2007 eine eigene
Kampagne zu diesem Thema starten. Wir haben im Rahmen dessen schon einige
Bündnispartner gewinnen können wie Heribert Prantl von der SZ, VbA,
Weibernetz, Forsea etc. Auch ist geplant, ein Dokumentarfilm zum Thema
persönliche Assistenz zu drehen, die Dreharbeiten werden voraussichtlich im
Oktober 2006 beginnen.
In Kooperation mit dem VbA
Selbstbestimmt Leben e. V. (Verbund behinderte Arbeitgeber) veranstaltet das
Netzwerk am 4./5.10.06 eine Peercounseling –Veranstaltung zum Thema
Stärkung des Selbstbewusstseins von Menschen mit Behinderung zur Teilhabe am
Leben in der Gesellschaft. Referenten sind Vicky und Bill Bruckner aus
den USA. Die Kosten werden teilweise von der Fürst Donnersmarck Stiftung zu
Berlin getragen.
Viele Frauen und Mädchen mit
Behinderung leiden unter Benachteiligung und Diskriminierung. Mit unter
führt das zu Resignation, depressiven Missgestimmtheiten und sozialem
Rückzug. Im Jahre 2006 planten, organisierten und führten das Netzwerk und
die Psychotherapeutin Renate Geifrig eine Aktion durch (diese Aktion läuft
noch bis in das Jahr 2007), bei dem den Frauen und Mädchen Wege zur
Selbstfindung und Selbstverwirklichung eröffnet werden. Das Projekt ist für
10- 12 Frauen und Mädchen mit Behinderung in acht Einheiten à 2 bis 2,5
Stunden ausgelegt. Dabei geht es um die Stärkung der Ausdrucksfähigkeit in
Sprache, Körpersprache, Mimik und Gestik. In einem Kommunikationstraining
soll ihr Selbstwertgefühl und ihre Durchsetzungsfähigkeit in eigenen
Belangen gestärkt werden.
Die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung Karin Evers-Meyer rief im
Jahre 2006 einen Arbeitskreis zur Neuorganisierung der Pflegeversicherung
ins Leben. Die Sprecherin unseres bayerischen Netzwerkes Rosi Probst hat für
das Netzwerkbüro und für das Weibernetz an diesem Arbeitskreis teilgenommen.
Im 4. Quartal 2006 bekam das Netzwerk Besuch einer Delegation von 7
Sozialarbeitern des Mokgam Community Welfare Center aus Südkorea, die uns
und unsere Arbeit kennen lernen wollten. Dieser Austausch war sehr kreativ
und interessant.
Seit Oktober 2006 beschäftig das Netzwerk die Praktikantin Ulrike Schega,
die im Rahmen eines Fernstudiums ein 2 ½ jähriges Praktikum im Netzwerk
absolviert.
Ebenfalls seit Oktober 2006 ist Marion Stangl von der Stiftung Pfennigparade
als Praktikantin für ein halbes Jahr im Netzwerk tätig. Im Rahmen ihres
Praktikums möchte Frau Stangl die Netzwerkhomepage neu strukturieren.
Im Dezember 2006 wurde dem Netzwerkbüro von der Landesstiftung mitgeteilt,
dass die Anschubfinanzierung für die geplante gynäkologische Ambulanz
genehmigt wurde. Nun geht es darum, eine juristische Form zu finden, wie
diese Ambulanz strukturiert und auf die Beine gestellt werden kann.
Sonstige Tätigkeiten des Netzwerkes im Jahr 2006:
·
Vernetzung verschiedener Frauen und Einrichtungen
·
Kontaktaufnahme zu verschiedenen Einrichtungen
Ute Strittmatter M.A., Leiterin des
Netzwerkbüros München, den 9.1. 2007
Dipl.-Sozialpäd. (FH)
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