Mein Name ist Dunja Robin, ich bin Jahrgang 1985 und somit derzeit 26 Jahre alt.

Trotz meiner schweren körperlichen Behinderung (spinale Muskelatrophie) war mir ein bisheriges Leben ein recht „normales“: Ich besuchte einen ganz „normalen“ Kindergarten, ging dann bei uns im Ort in die Grundschule und später auf das Gymnasium Wolnzach, wo ich mein Abitur machte. Dabei konnte ich in jeder Situation auf die Hilfe, Unterstützung und Assistenz durch meine Familie und Freunde bauen. Somit war meine sogenannt „Behinderung“ für mich nur in sehr seltenen Fällen wirklich spürbar, ich lebte als ein Mädchen unter vielen und hatte meinen Platz im Leben.

Nach dem Abitur entschied ich mich, in Regensburg Soziale Arbeit zu studieren. Der Gedanke, später einmal behinderte Menschen zu beraten und sie dabei zu unterstützen, ihren eigenen Lebensweg zu gehen, schien mir naheliegend. Denn durch meine eigene Betroffenheit, so meine Überlegung, kann ich in dieser beruflichen Rolle authentisch auftreten und sie mit einem durch Selbsterfahrung geschulten Blick erfüllen. In der Tat konnte ich mir während meines Studiums viel wertvolles Wissen aneignen. Theoretische Grundlagen, ohne die professionelles Arbeiten unmöglich wäre. Doch mindestens genauso wichtig waren wohl meine praktischen Erfahrungen: Schon bevor meine Zeit als Studentin beginnen konnte, musste ich mir darüber Gedanken machen, wie ich mein Leben nun gestalten wollte: Sollte ich nach Regensburg in ein behindertengerechtes Wohnheim ziehen, oder aber täglich eine einfache Fahrtstrecke von ca. 70 km pendeln? Ich entschied mich für Letzteres und habe diese Entscheidung erfreulicher Weise bis heute nicht bereut. Auch machte ich nun meine ersten Erfahrungen mit einer Assistenzkraft, die ich als Arbeitgeberin angestellt hatte. Nach 5 Jahren aufregendem Studentenleben, einer recht herausfordernden Studienfahrt nach Wien, das weit weniger elektrorollstuhlfreundlich war als erwartet (trotzdem hatten wir alle unseren Spaß!), und unzähligen Prüfungen und Leistungsnachweisen erhielt ich dann im Mai 2010 meine Diplomurkunde. Meine Diplomarbeit habe ich über Behindertenbegleithunde geschrieben. Wer sich für dieses Thema interessiert kann sich gerne per e-mail über die Netzwerkfrauen bei mir melden.

Und wieder begann ein neuer Lebensabschnitt. Es ging daran, endlich Geld zu verdienen, finanziell auf eigenen Beinen zu stehen. Nun war ich dankbar dafür, bereits auf erste Erfahrungen mit dem Arbeitgebermodell zurückblicken zu können, denn so konnte ich, unterstützt durch Arbeitsassistenz, im Sozialdienst eines Seniorenheims arbeiteten. Eine erfüllende Tätigkeit, die mir viel Freude bereitet hat.

Mein Leben war also bisher im Großen und Ganzen nicht weniger selbstbestimmt als das anderer junger Frauen und ich nehme mich als kreative, aktive Person wahr, die ihren Platz im sozialen Netzwerk gefunden hat, sich geliebt und wertgeschätzt fühlt und der es auch nicht an Abenteuerlust fehlt, die stets aufs neue versucht, scheinbar unüberwindbare Grenzen zu überschreiten und „Unmögliches“ möglich zu machen.  

Und doch rennt man dabei auch immer wieder, meist ganz unerwartet, gegen Mauern, die nicht nachgeben, die unerbittlich den Weg versperren. Auch ich kann ein Lied davon singen, vor „verschlossenen Türen“ zu stehen. Ich wundere mich über die Gesellschaft, in der wir leben, über die Dinge, die ich erlebe. 

Und ich sehe, wie andere oft zu kämpfen haben für Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein sollten. Hier scheinen Zufall und Willkür eine große Rolle zu spielen, denn oft scheinen diese Menschen einfach nur  „zur falschen Zeit am falschen Ort“ zu leben. Dann frage ich mich nach dem Warum. Warum werden mir und anderen so oft Steine in den Weg gelegt? Warum gibt es so viele Barrieren, Grenzen, Mauern, wo doch so viele davon absolut überflüssig erscheinen?

Ja, es gibt viel zu tun, damit auch behinderte Frauen ihren Platz in der Gesellschaft ohne Probleme finden, sich aktiv einbringen, ihren Beitrag leisten und selbstbestimmt leben können. Meine lebenslange Freundin, Tanja Miedl, Gründungsfrau der Netzwerkfrauen und mir in vielen Dingen ein Vorbild, hat sich genau dafür eingesetzt und mir somit einen Weg aufgezeigt, wie auch ich meinen Beitrag leisten kann: Indem ich mich als Sprecherin der Netzwerkfrauen für die Belange und Interessen von Mädchen und Frauen mit Behinderung einsetze.